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~ Asatru-Gedichte ~

Sindy gewidmet.

Rolands Tod

Roland, Graf in Bretanniens Mark,
Im tosenden Treffen ein strahlender Held,
Schwach in der Lieb‘, in der Treue stark,
Rief Karl in der Nachhut vorderstes Feld.i

„Roland, mein Roland, trage du mir
Deines Königes Banner den Mannen voran
Und führ deinem König den Nachtrab von hier
Durch der Schlüfte gefahrvoll Gewände hinan!“

Doch während sie eisig die felsige Gruft
Umfängt, umschließt das eigene Grab,
Bewölkt sich über den Häuptern die Luft,
Und tausende Feinde stoßen herab.

Sie brechen herein ob dem Heere wie Nacht,
Ihres Gottes edelen Knecht,
Von den Besten der Franken bewacht,
Zu befrein in mörderischem Gefecht.

Da heißt Roland der Recken Zier,
Dem Feinde Schild an Schild zu stehn:
„Es soll mir meines Königs Panier
Auf dem Grab der Feinde wehn!“

Und stürzt sich wütend in die Schlacht.
Der klirrenden Klingen heller Schall,
Stahl auf Stahl, berstend mit Macht,
Tönt fort in der Schlüfte Widerhall.

Doch bald schon verglüht in der Sonne Glut
Der fränkischen Ritter eiserne Wehr;
Tapfer vergießend das siedende Blut,
Sinkt in den Staub hin das strahlende Heer.

Da greift Roland zum ehernen Horn
Und ruft hinaus ihre höchste Not,
Und verblutend seines Lebens Born,
Schickt noch zwölf er in den Tod.

Und mit des Verzweifeltes Gewalt
Stößt ein zweites Mal er in das Erz,
Daß weithin Wald und Gebirge erschallt,
Doch reicht sein Ruf nicht an Freundes Herz.

Von den letzten der Brüder liebend umringt,
Bläht noch einmal er das Rohr;
Und als er tot hinniedersinkt,
Da rührt ein Hauch des Königesii Ohr.

Ein eisiger Schauer durchfährt sein Gebein,
Kündend ihm der Seinen Not:
„Dort sterben mir die Liebsten mein,
Und Roland, Brüder, mein Roland ist tot.“

Er wendet die Rosse und eilt hinab –
Und findet keinen mehr, atmend allhier;
Doch auf der Feinde ragendem Grabiii,
Siehe! da wehte sein eigen Panier.

© L. A. S. Ferrarianus Epigonus

Dritte Stoa

i Die gesamte Unternehmung datiert ins Jahr 778.

ii Gemeint ist Karl der Große (747 – 814), damals noch König der Franken (seit 768) wie der Langobarden (seit 774).

iii ‚Der Feinde ragendes Grab‘ ist die bildhafte Vorstellung der zahllosen getöteten Feinde, hügelartig
aufgehäuft die Leichen der gefallenen Gegner. Das Bild entspricht, gleich vielen anderen des Zyklus‘, dem moralisch-ästhetischen Empfinden voraufgegangener Jahrhunderte, wobei dieses durchaus nicht als moralisch fragwürdig vorgestellt sein will, indem der Dichter den Krieg ja nicht als ein Übel vorstellt, sondern einen Ort menschlicher Entscheidung zwischen tiefster Sünde und höchstem Verdienst.

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