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~ Asatru-Gedichte ~

Brynhilds Lied (Brynhildur táttur)

Wollt' ihr hören nun mein Lied! Viel kann ich sagen
von der großen Kön'ge Zeit, von Altvätertagen.

Refrain:
Grani trug Gold von der Heide,
Grani trug Gold von der Heide,
Hei, wie fuhr das Schwert aus der Scheide!
Sigurd traf den Drachen gut,
Grani trug Gold von der Heide.

Budli herrscht über weites Land, König ward er genannt,
seine Tochter war so schön und weithin gut bekannt.

Brynhild sitzt im hohen Saal, sie kämmt ihr lichtes Haar,
ist wie Seide anzusehen, wie Gold so wunderbar.

Brynhild sitzt im hohen Saal, strahlend vor allen.
Keiner kann der stolzen Frau als Freier gefallen.

Hör das, Brynhild, Tochter mein, du bringst mich in Schande!
Keinen Freier wählst du dir, der Herren aller Lande!

Schweiget, schweiget, Vater mein, Wahrheit hier zu hören:
Einen Helden fern im Ost hab' ich mir erkoren.

Keiner mehr an Gold gewann, keiner mehr an Ehren:
Sigurd, der den Drachen schlug, nur ihm will ich gehören.

Das hat mir die Norn' verschafft, in mein Herz gelegt,
daß neun Winter ich erwart', den ich noch nie gesehn.

Hör das, Brynhild, Tochter mein, höre meine Frage!
Wie bezwingst du Sigurd dir, den keiner noch bezwungen?

Setz mir einen goldnen Stuhl auf ödem Berge,
laß mit Runen ihn beschlagen durch zauberkund'ge Zwerge.

Brynhild sitzt auf goldnem Stuhl auf öder Höhe,
um den Berg herum im Kreis brennt hell die Waberlohe.

Da hört Sigurd, Sigmunds Sohn, in seinem Lande,
Brynhild sitzt auf Hindarfjall, um sie sind starke Bande.

Zwölf Goldringe zog er sich über seine Hand,
dann der tapfere Kämpfer ritt hinein in Budlis Land.

Ist noch so wie's früher war: Freier auf Brautfahrt gehn,
doch die Waberlohe licht wagt keiner zu bestehn.

Keiner ritt auf Brynhilds Berg, Sigurd nur, der Frohe,
sprengt auf Grani, seinem Roß, durch Rauch und Waberlohe.

Brynhild sitzt auf goldnem Stuhl, eisenumkleidet.
Sigurd hebt das scharfe Schwert, die Brünne er zerschneidet.

Brynhild richtete sich auf, unter weißem Linnen:
Sigurd, Held aus fremden Land, nun sei mir hier willkommen!

Freundlich legte Sigurd ihr die Arme um den Hals.
"Bei der Treue schwör' ich dir, bei mir, da ist kein Falsch."

Zwölf Goldringe streifte er über ihren Arm,
die den beiden ihrer Lieb' ein weitres Zeichen waren.

Nachdichtung, basierend auf der Übersetzung von Klaus Fuss:
"Die färöischen Lieder der Nibelungensage. Text, Lesarten und Übersetzung", 3 Bde., Göppingen 1985.

Dies ist der Anfang des "Brynhilds Lied" (Brynhildur táttur) mit insges. 238 Strophen. 
Es ist eines der drei großen faröischen Sigurdslieder (neben "Regin Schmied" und  "Høgnes Lied"). 
Sich beziehend auf Mythen aus dem 9. Jhd., gedichtet wohl im 14.Jhd,  wurde es 1851 
von Hammershaimb in der neufäröischen Schriftsprache niedergeschrieben.

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